Analog ist noch lange nicht tot!

Analog ist noch lange nicht tot!

So! Das SolutionsCamp 2014 ist vorbei. Eine interessante Veranstaltung mit guten und spannenden Diskussionen rund um das Thema „Netzökonomie und Wertschöpfung mit Netzwerken“.

Diskussionen, die mich in meiner Meinung zu den Begriffen „Daten“ und „Soziale Netzwerke“ und „Digital Transformation“ erneut bestätigen.

Seien wir ehrlich, nicht die zunehmende Datenerfassung und/oder Datenvielfalt ist das Problem, sondern die Operationalisierbarkeit im Marketing. Einfaches A/B Testing reicht heute nicht mehr, multivariate Verfahren und eine entsprechende Marketingautomatisierung (Software) müssen her, die das alles für die marketingseitige Umsetzung noch online in Echtzeit und offline in „Fast-Echtzeit“ machbar macht. Wenn wir aber mal ehrlich sind, sind doch die meisten Marketing-/E-Commerce-Units selbst mit guter Software immer noch überfordert, wenn die umzusetzenden Varianten n=2 übersteigen. Zu kurze Set up Zeiten für das Gestalten von Kampagnen bei immer kürzer werdenden Kampagnenzyklen lassen kaum Zeit für die Vorbereitung des auf unterschiedliche Zielgruppen und deren unterschiedlichsten Customer Journeys abzustimmenden Content. Ja, „Content is King“, aber ist er auch noch operationalisierbar?

Ein weiteres interessantes Thema war auch die zunehmende „Transparenz“ in der digitalen Welt. Gemeint sind hier u.a. die Transparenz der Preise und die Transparenz der Produkt-/Service-Qualität. These vieler Diskussionsteilnehmer: Die Transparenz ist zum Nachteil der Marktteilnehmer (Anbieter und Nachfrager).
Meine Meinung dazu: Nein, diese Transparenz ist nicht zum Nachteil, sondern ganz im Gegenteil zum Vorteil aller Marktteilnehmer! Die zunehmende Transparenz fördert den Wettbewerb enorm. Die Zyklen für Innovationen, oder etwas breiter formuliert für die Schaffung von neuen Produkteigenschaften/-Nutzen, werden immer kürzer. Das fordert uns Marketing-/Produktmanager zwar zunehmend, ist aber auch sportlich und hält jung. Zumindest im Kopf :-).
Die Basis für diese Tranparenz: Bewertungsportale, Metasearch-Engines und jedes einzelne Netzwerk eines jeden einzelnen (potenziellen) Kunden.

Und noch ein ganz spannender Effekt kristallisiert sich gerade bei den Endkunden-Netzwerke und Bewertungsportalen mehr und mehr heraus:
Das Markenmanagement bzw. die Markenwahrnehmung beim Kunden ist schon seit einiger Zeit nicht mehr alleine eine Frage von hohen Kommunikationsbudgets und kreativen, ausgefallenen Werbebotschaften. Mindestens genauso wichtig wird zunehmend die Reputation im Netz und insbesondere die Reputation im jeweiligen Netzwerk unserer Kunden. Anders formuliert: Die Markenkommunikation wird zukünftig sicherlich noch mehr durch Verbraucherkommunikation in Ihrer Bedeutung ergänzt. Anders formuliert: Nicht die „platte“ Marketingbotschaft als Frontbeschallung allein beeinflusst die Markenwahrnehmung der Konsumenten, sondern eben immer stärker auch die transparenten Erfahrungen, Meinungen und Bewertungen von anderen Nutzern. Weiter verstärkt wird dieser Aspekt sicher auch durch die zunehmende Anzahl an Blogern im Web.

Aber abgesehen von aller „Digitalen Transformation“ schleicht sich bei mir mehr und mehr auch das Gefühl ein, dass die Digitale Welt doch akutell auch einem zu hohen Hype unterliegt. Und diese Worte von mir, einem ausgewiesenen Online-Fan. Mein Glaubensbekenntnis: Die Reinkarnation der analogen Welt hat bereits begonnen.  Wie ich das meine? Nun, schauen wir z.B. mal auf den Online-Händler Cyberport.de. Der macht plötzlich auf stationären Handel. Oder MyMüsli.de verkauft jetzt sein Müsli ebenfalls in Traffic-starken Shopping-Zonen und Zustellrisiken für den Kunden beim Online-Kauf sind vielleicht viel größer als wir glauben (hierzu werde ich demnächst berichten). Oder betrachten wir bei CRM-Maßnahmen die Responsewerte von Online-Newslettern und Offline-Mailings. Höhere Conversion-Rates zeigen häufig im Vergleich mit reiner On- und reiner Offlinekommunikation die Kombinationen aus Newsletter und Brief.

Und wenn wir ehrlich sind: Bei aller Digitalisierung im Alltag, bei der zunehmenden Relevanz von Online-Zahlungssystemen, bei der zunehmenden Anzahl Selfscanner-Kassen im Handel, bei den immer mehr angebotenen computergestützten Services, etc., vermissen wir da nicht auch immer häufiger mal den freundlichen und lächelnden Mitarbeiter hinter der Verkaufstheke im Handel, das charmante Personal am Schalter der Fluggesellschaft oder den sympathischen Mitarbeiter am Frontdesk eines Hotels. Meine Botschaft an dieser Stelle: Es wird zukünftiger immer wichtiger werden, gerade auch in einer Welt der zunehmenden digitalen Transformation, noch die richtige Balance zwischen Digital und Analog bwz. zwischen On- und Offline zu halten. Und dies zielgruppen- und situationsbezogen!

„Analog“ ist noch lange nicht tot. Aber ohne „Digital“ gehts in den meisten Fällen auch nicht mehr. Die richtige Balance macht’s! => Anmerkung der „Redaktion“: sicherlich keine große Weisheit, aber manchmal so glaube ich, verlieren viele Marketingmanager, und insbesondere die jüngeren unter uns, dies aus den Augen.

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